Plattdeutsch als humorvoller Blick in die Alltagssprache
Dat ist dick Wierks – wenn etwas eine dicke Sache ist, dann muss jemand dahinter stecken. Es ist Willi Husmann, er sorgt wieder einmal dafür, dass Platt im Alltag lebendig bleibt.
Darum geht‘s:
- Willi Husmann dokumentiert 506 niederdeutsche Sprichwörter und Redensarten mit Ursprung und Bedeutung.
- Das Buch bewahrt Plattdeutsch und bietet einen humorvollen, lehrreichen Einblick in die Sprache.
- Drei Institutionen unterstützen die Veröffentlichung mit Fördergeldern.
Willi Husmann wuchs gewissermaßen zweisprachig auf: Seine Eltern sprachen mit ihren Kindern ausschließlich Niederdeutsch, diese mussten
aber auf Hochdeutsch antworten. „In meiner Kindheit galt es als rückständig, Platt zu sprechen“, erzählte er im Heimathaus Lippramsdorf.
„Eltern und Lehrern war es wohl nicht bewusst, dass sie mit ihrem Verhalten den Untergang der Sprache Platt förderten.“ Seine Ehefrau Maria und ihre Verwandtschaft brachten ihm dann später wieder das Platt nahe, heute ist er ein engagierter Verfechter dieser Sprache.
Für seine dritte Buchveröffentlichung sammelte Willi Husmann 506 niederdeutsche Sprichwörter und Redensarten, erforschte ihren Ursprung und ihren Hintersinn. So entstand in 18 Monaten unter dem Titel „Van‘t Höltken op‘t Stöcksken“ eine 306-seitige Dokumentation mit Illustrationen des Münsteraner Künstlers Andreas Raub, die Freunden der Plattdeutschen Sprache ebenso wie „Unkundigen“ heitere und lehrreiche Stunden bereitet.
„Ein wichtiges Zeugnis“
„Dat dick Wierks“ als Redensart bezieht sich in diesem Falle nicht auf das umfangreiche Buch, sondern beschreibt eine Beziehung zwischen Menschen, die durch niemanden und durch nichts mehr aufzubrechen ist. So wie die Leidenschaft Willi Husmanns zur Plattdeutschen Sprache. Er weiß viele gute Freunde an seiner Seite wie beispielsweise Rudolf Averbeck aus Hörstel-Riesenbeck, der unter anderem „Dat Mönsterlänner Platt-Lehrbuch“ geschrieben hat und Vorsitzender des „Schriewerkring“ in Münster ist.
„Veröffentlichungen in Platt werden immer seltener“, sagte er zur Präsentation mit zahlreichen Gästen im Heimathaus. Das Buch von Willi Husmann biete nicht nur reizvollen Lesestoff, sondern besitze darüberhinaus deshalb auch dokumentarischen Wert als Zeugnis für die leider vom Aussterben bedrohte Sprache. „Das Platt ist hier für die Ewigkeit dokumentiert, die Lippramsdorfer dürfen zu Recht stolz auf diese Arbeit sein“, betonte er. In 20 Jahren gebe es vielleicht gar keinen plattdeutschen Autor mehr.

Willi Husmann mit Familie
Foto: Elisabeth Schrief
Willi Husmann dankte seiner Familie für viel Geduld und engagierte Begleitung während der zeitraubenden Arbeit für das Buch. Auf dem Foto: Tochter Christiane Krahl, Enkelin Antonia, Maria und Willi Husmann.
Einen Gruß überbrachte außerdem Kiepenkerl Reinhold Kortenbrock aus Nordwalde. Er arbeitet als Vorsitzender mit Willi und Maria Husmann im Verein „Mönsterlänner Kiepenkiärls“ zusammen. Willi Husmann gebühre für seine akribische Arbeit unbedingte Anerkennung.
Bereit für schnelle Notizen
Wie ist der Lippramsdorfer, Kiepenkerl im Heimatverein, an all die Sprichwörter gekommen? Er hat sie in Gesprächen mit Freunden und Bekannten aufgeschnappt, die sie eigentlich nur so nebenbei benutzt hatten. „Ich hatte immer Bleistift und Papier für schnelle Notizen dabei“, sagte Willi Husmann. Um den Gesprächspartnerinnen und -partnern ein Andenken zu bewahren, hat er sie alle im Buch benannt.
Den Sinn der Sprichwörter und Redensarten aufzuspüren, sei richtig spannend gewesen. „Ich durfte meinem Wissensdurst freien Lauf lassen.“
Was sein Buch von allen Veröffentlichungen zu diesem Thema einzigartig macht, sind eben diese Erklärungen und Kommentare. In Hochdeutsch übrigens!
Das Buch erscheint im Agenda-Verlag und wurde gefördert von der Kulturabteilung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, der Volksbank Westmünsterland und der Rottendorf-Stiftung. Verkauft wird es zum Preis von 19.90 Euro, der Erlös ist für den Herausgeber, den Heimatverein Lippramsdorf, bestimmt.

