Dat Plattdütschke

Heutiger Stand

Heute, im Jahr 2021, wird in Riesenbeck nur noch wenig Platt gesprochen. Die Altersgrenze liegt bei über 60 Jahren – Jüngere sprechen faktisch kein Platt mehr, und auch bei den 60 – 80-jährigen wird fast nur Hochdeutsch gesprochen. Nur in der Altersgruppe der über 80-jährigen hört man heute noch häufig Platt, meist in Gesprächen untereinander.

Entwicklung/Zahlen – Daten – Fakten

Die Verhältnisse in Riesenbeck unterscheiden sich kaum von denen in benachbarten Gemeinden, und so möchte ich hier auf einige im Jahr 2009 veröffentlichte Zahlen von Willi Untiet über das Ladbergener Platt hinweisen. Herr Untiet stellte fest, dass vor dem 2. Weltkrieg fast alle Ladbergener Platt sprachen, 2009 aber nur noch etwa 11 % (706 Personen). Der Rückgang begann zu Beginn des 2. Weltkrieges, als Evakuierte, Ausgebombte und Vertriebene nach Ladbergen kamen. Der Zuzug auswärtiger Neubürger in den folgenden Jahrzehnten verringerte den Anteil der Plattsprecher weiter, während gleichzeitig immer mehr Eltern nur noch untereinander, nicht aber mit den Kindern Platt sprachen. In der Ladbergener Untersuchung, die von Willi Untiet vom November 2008 bis März 2009 durchgeführt wurde, konnten, wie gesagt, nur 11 % Plattsprecher ermittelt werden. Dazu kamen 184 Personen, die zwar aktive Plattsprecher waren, aber nur wenig Gelegenheit zum Plattsprechen hatten. 147 Personen gaben an, Platt verstehen zu können (die Zahl dürfte aber deutlich höher gelegen haben). Berücksichtigt man, dass von den 706 Personen, die Plattdeutsch aktiv sprachen, gerade mal 65 unter 50 Jahre alt waren, dann kam Willi Untiet zu Recht für Ladbergen (und ich analog für Riesenbeck) zu dem Schluss, dass das Plattdeutsch in Ladbergen vom Aussterben bedroht ist („Heimatpflege in Westfalen“, Herausgeber: Westfälischer Heimatbund, 22. Jahrgang, 5-2009, Seite 28-29). Bei einem Besuch der Ladbergener Partnerstadt New Knoxville (Ohio), wohin im 19. Jahrhundert viele Ladbergener ausgewandert waren und wo heute noch sehr lebendig Ladbergener Platt gesprochen wird, zeigten sich viele der Gäste bestürzt darüber, dass man sich in Ladbergen kaum noch auf Platt unterhalten kann.

Ausblick

Zehn Jahre später bleibt anzumerken, dass zwar vieles für den Erhalt unseres Platt unternommen wird, aber der Erhalt für die Zukunft trotzdem schwerfallen dürfte. Was weg ist, ist weg. Vielleicht geht es unserem Platt einmal so wie unseren Fachwerkhäusern: erst wenn sie verschwunden sind bemerkt man, wie schön sie waren und wie sehr sie einem fehlen. Das hat viel mit Wertschätzung zu tun, die nicht selten erst kommt, wenn es zu spät ist. Ich erinnere mich an die 1960er Jahre, als in Riesenbeck für Feuerwehrübungen Fachwerkhäuser angezündet wurden…

Für das Überleben des Platt muss in allererster Linie die Bereitschaft da sein, diese Sprache zu sprechen. Diese Bereitschaft ist leider wenig erkennbar (bei den Riesenbeckern unter 60). Dabei ist Platt ein wichtiger Identitätsträger unserer münsterländischen Eigenart.